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Norbert Lohan
* 30.01.1962


Norbert Lohan im Juni 2007

„Frank Schut spielt im Raum“ – so kündigte das Plakat in der evangelischen Jugendgruppe in der Nähe von Wesel an, in der Norbert Lohan sich 1980 gerne und oft aufhielt. „Was soll ich denn mal spielen?“, fragte der Gitarrist und Sänger rhetorisch, als ihm nach einige Stücken nichts mehr einfiel. „Na ich spiel mal einen Blues.“ Er hängte sich ein Rack um, klemmte eine Bluesharp hinein und spielte. WOW! Blues, das klingt gut, und dann kam die Harp! Wie ein Hammer traf es Norbert, als die ersten Töne aus diesem unscheinbaren Instrument erklangen. Sie gingen durch Mark und Bein, sie trafen seine Seele und eine Gänsehaut breitete sich auf dem gesamten Körper aus. Augenblicklich war klar: Das will ich lernen, das ist MEIN Instrument! Das war im Jahre 1980.


Frank Schut 1998

Zu Hause war das Geld knapp für eines von sechs Kindern und als Schüler kurz vor dem Abi – die erste Harp bekam Norbert von einem Freund geschenkt – eine Hohner Bluesharp in A. Und damit wurde geübt, geübt, geübt, ohne jede Anleitung, einfach drauflos. Es muss ganz schon hart gewesen sein für Freundin, Eltern, Geschwister, Nachbarn, und es hat Jahre gedauert, bis Norbert klar wurde, dass es noch andere Tonarten gibt. Das verstand er erst, nachdem er sich die erste Bluesplatte gekauft hatte: The Legendary Blues Band mit Jerry Portnoy an der Harp „Live Of Ease“ . Ein Volltreffer – Chicago Blues vom Allerfeinsten und genau die Art von Harpspiel, die Norbert für Jahre begeistern und maßgeblich beeinflussen sollte. Er hörte die großen Meister wie Sonny Boy Williamson, Little Walter, George Smith, Big Walter Horten, James Cotton, Paul Butterfield und etwas später Charlie Musselwhite, Kim Wilson, Rod Piazza und Mark Hummel

Damals gab es keine Lehrer, kein Übungsmaterial und keine VHS-Kurse, geübt wurde nur nach Schallplatte. Hören, mitspielen, hören, und noch mal versuchen, um dann irgendwann die eine oder andere Passage mitspielen zu können.


Luther Allison im Frühjahr 1996

1983 lernte Norbert Lohan bei einem Konzert im Bocholter „Doch Du“ Luther Allison kennen, und es entwickelte sich eine Freundschaft, die bis zum Tode des in Chicago lebenden Bluesmusikers 1996 hielt. Von Luther habe ich sehr viel über Blues gelernt: “Blues is life, Blues is feeling and Blues hits you at the very center of your heart.”
Wieder und wieder habe ich ihn auf Konzerten besucht, später durfte ich einige Male mitspielen, und da habe ich gelernt, was es heißt, mit einer authentischen Bluesband auf der Bühne zu stehen. Alle waren sie im oder ums Delta herum geboren, und alle waren sie in die großen Städte nach Norden gezogen, um dort ihr Glück zu machen. Und alle haben sie den Blues in den Adern, da sind mehr als einmal auf der Bühne die Tränen geflossen – eine fantastische Erfahrung!

Immer wieder suchte Norbert dieses Erlebnis und bringt es inzwischen auf eine ganze Reihe von Auftritten mit echten Bluesgrößen. Er stand auf der Bühne mit Luther Allison, Jimmy Rogers, Louisiana Red, Eddy Boyd, Buddy Guy, Detroit Gary Wiggins, Jean Shy, T-Model Ford. Zuletzt spielte er häufiger mit der Leipziger Formation Last Fair Deal und dem unglaublichen Nachwuchsgitarristen Henrik Freischlader. Memphis Slim urteilte mal: „Hey man what you play is real Blues.”


Henrik Freischlader & NL im Woodhouse in Wuppertal (Oktober 2006)

Die erste Bluesband, in die Norbert Lohan als festes Bandmitglied einstieg, war die Weseler Formation “Bluesmen”. Es war die Band von jenem Frank Schut, der ihn zur Harp gebracht hatte. „Ich kenne Franky nun seit 30 Jahren, wir haben viel und lange zusammen gespielt, ich mag ihn sehr, wir schwimmen musikalisch oft auf einer Welle.“

Zunächst als Maschinenschlosser bei der Thyssen Stahl AG in Duisburg beschäftigt, zog es Norbert Lohan 1986 nach Düsseldorf. Dort studierte er zunächst kurz Maschinenbau und dann Geowissenschaften. Die musikalischen Einflüsse verschoben sich in dieser Zeit ein wenig in Richtung Jazz und hin zum Tenorsaxophon. 7 Jahre lang stand nun dieses Instrument mehr im Vordergrund, Norbert beschäftigte sich erstmals intensiv mit Noten und Harmonielehre, spielte in verschiedenen Jazzformationen, in einer Big Band und sogar in einem klassischen Saxophonquartett.
Doch das ging alles wieder vorbei, was blieb, war der Blues und natürlich die Harp. „Es hat mir auf Dauer keinen Spaß gemacht, ständig Skalen zu üben. Die Harp habe ich immer schon intuitiv gespielt. Es geht viel Emotionalität verloren, wenn man immer in Akkorden denkt. Wenn ich Mundharmonika spiele, schalte ich einen Großteil meiner Notenkenntnisse aus. Ich zähle nicht, ich denke nicht – ich höre und spiele einfach. Und dennoch, die musikalische Ausbildung am Saxophon brachte eine enorme Gehörbildung mit sich, was auch meinem Harpspiel sehr gut getan hat.“  

2001 lernte Norbert Lohan Steve Baker und seine fantastischen Unterrichtsmaterialien kennen. Das brachte eine völlige Kehrtwende in der Auseinandersetzung mit dem Instrument. „Steve ist ein super Lehrer und noch dazu ein ganz feiner Mensch, es macht großen Spaß, von ihm zu lernen. Seit ich ihn kenne, übe ich systematisch bestimmte Techniken, ich arbeite viel an meinem Ton, was ich früher nie getan habe.


Norbert Lohan & Steve Baker in Mülheim (Februar 2001)

Ich stimme meine Instrumente selbst und ich spiele nur noch ein Modell: Hohner Marine Band. Inzwischen gibt Norbert Lohan Harpworkshops bei der VHS in Essen und hat eine ganze Reihe von Schülern, die er privat unterrichtet.  

Auf einer der zahlreichen Blues-Sessions im Ruhrgebiet, bei denen Norbert ein gern gesehener Gast ist, lernte er Klaus Stachuletz kennen und die beiden spielten zusammen.


Dr. Mojo & NL in der Matthias Kirche in Düsseldorf Lichtenbroich (März 2007)

„Klaus kam mich dann in Düsseldorf besuchen, er wollte ein Mikro von mir kaufen. Wir haben ein bisschen gejamt. Und da war gleich diese Wärme, diese Übereinstimmung, das gleiche Gefühl für den Blues, wir brauchten nicht viel reden, unser Spiel harmonierte sofort, das war völlig stressfrei und hat uns beiden auf Anhieb sehr gefallen.“ Inzwischen hat Norbert, zumeist als Special Guest, zahlreiche Auftritte mit Klaus’ Band Dr. Mojo aus Remscheid gespielt, der auch Uli Spormann als Gitarrist und Sänger angehört.



NL mit Dr. Mojo & Friends auf dem Bluesfestival  in Laubach (mit Dirk Fegers am Schlagzeug) (August 2010)

Zu einer spontanen und ganz wunderbaren Begegnung kam es auf der Hannovermesse 2006.


NL & Soleil Niklasson in Hannover (April 2006)

Bei einer Standparty trat die bezaubernde Sängerin Soleil Niklasson mit ihrer Band auf. Norbert hatte „ganz zufällig“ seine Harps dabei und zur großen Freude aller Beteiligten harmonierten die beiden ganz hervorragend.  

Im Herbst des gleichen Jahres half erneut der  Zufall und dadurch kam es zu einer wirklich beinahe märchenhaften Geschichte: Über die Internetplattform ebay lernte Norbert den Mundharmonikaspieler und Sänger Junior Thomas aus Alabama kennen, als der ihm ein paar Mundharmonikas über das Online-Portal abkaufen wollte. „Wir tauschten Emails, später telefonierten wir und spielten uns gegenseitig auf der Harp etwas vor“, Blues Cross Atlantic sozusagen


Junior Thomas (†) & NL im Highway 61 Delta Blues Museum in Leland Mississippi (Mai 2007)

Dann wuchs die Idee einer Reise in den Süden der USA. Immer schon wollte Norbert gerne mal dort hin, wo der Blues entstanden ist, ins Mississippidelta, um die Menschen zu erleben und mit ihnen dort den Blues zu spielen. Im Mai 2007 war es soweit. 2 Wochen lang bereiste Norbert einen Teil der Südstaaten auf den Spuren des Blues – gemeinsam mit Junior Thomas. Es war unglaublich, ich habe ihm von meiner Reiseplanung erzählt und er sagte: „Ich komme mit!“
Er kannte die Gegend, er kannte die Sprache und Gepflogenheiten, er hatte die Kontakte und organisierte für uns Auftritte und einen Studioaufenthalt. Wir fuhren den Mississippi rauf bis nach Memphis, Tennessee, und besuchten viele historische Orte, die mit der Geschichte des Blues und der Gesellschaft und Politik der schwarzen Bevölkerung des Südens verbunden sind, wie den Geburtsort von BB King, Indianola in Mississippi, das Grab von Albert King in Arkansas, aber auch das Hotel in Memphis, an dem Martin Luther King erschossen wurde. „Das waren sehr bewegende Momente, die ich mein Leben lang nicht mehr vergessen werde.“ Wir hatten gemeinsam 4 Auftritte und einen ganzen Tag im Studio mit lokalen Bluesmusikern.  Es war einfach fantastisch, und ich habe eigentlich erst nachher begriffen, was ich da für eine tolle Traumreise machen durfte. Danke Junior!  

Von Sommer 2009 bis Ende 2011 spielte Norbert mit der Düsseldorfer Band BluesTones. Sie besteht aus der Sängerin Christine Iyoha und Gitarrist Giuseppe Giaquinto.


NL mit den BluesTones in Bochum im Mai 2010

"Wir hatten viele tolle Auftritte zusammen, haben dabei Super Lokalitäten und viele nette Leute kennen gelernt und eine klasse CD aufgenommen. Es war eine schöne Zeit", so Norbert, "und ich bin stolz, dass wir diese CD als bleibende Erinnerung an unser gemeinsames Schaffen hinbekommen haben."


Von ganz besonderer Bedeutung und unglaublicher Motivationswirkung für Norbert ist das Zusammentreffen mit einem der wohl weltbesten Protagonisten auf der Bluesharp: Joe Filisko aus Chicago. Diesem Treffen habe ich seit Jahren entgegen gefiebert. Die Leichtigkeit, die Genauigkeit, mit der er selbst die schwierigsten Dinge spielt, ist unglaublich, so Norbert, und das alles mit fantastischem Ton. Sowohl in traditionellen, akustischen Harpstilen, als auch im verzerrten Chicago Style über Bulletmic und Amp ist Joe ein absoluter Meister. "Ich dachte ja, ich hätte es schon ganz gut raus, aber er hat mir gezeigt, wie man RICHTIG mit der Harp umgeht - extrem beeindruckend!! Joe hat mein Spiel perfekt analysiert und ich habe sehr viel gelernt in diesen 1,5 Tagen, die wir zusammen verbracht haben.  Und obendrein ist er auch noch ein ganz netter, entspannter, sehr höflicher und zuverlässiger Mensch."


Joe Filisko und NL im Leonardo in Essen beim Slow Blues in D "Busy Man" (Nov 2010)

Überhaupt ist die Harpergemeinde ein sehr geselliges Klübchen.  Man trifft sich gerne und verbringt Zeit miteinander, organisiert Meetings, fachsimpelt, gibt sich gegenseitig Tipps, spielt ein wenig zusammen und tauscht Neuigkeiten aus.  Es ist ein sehr schönes Gefühl dazu zu gehören!


Drei Meter Harpverrückte am Hohner-Stand auf der Musikmesse in Frankfurt. Von links: Konstantin Reinfeld, Bertram Becher, Robert Koch, Norbert Lohan, Joe Filisko, Steve Baker (April 2011, Photo by Richard Weiss)

Norbert schwärmt: "Ein fantastischer Abschluss des Jahre 2011 ist uns gelungen, als erneut Eric Noden und Joe Filisko zu Gast waren, diesmal sogar zu einer kleinen Bluestour durch unsere Region, die wir zusammen mit meiner Band BluesTones und Dr. Mojo aus Remscheid organisiert und durchgeführt haben. Wir hatten drei tolle Konzerte vor begeistertem Publikum und eine sehr entspannte und angenehme Zeit zusammen. Und auch diesmal habe ich wieder sehr viel lernen dürfen. Joe Filisko als Lehrer zu haben ist das Beste, was mir harpmäßig passieren konnte! Es hilft mir enorm, mein Spiel weiterzuentwickeln."


Joe Filisko, NL und Eric Noden im Café Mondrian in Essen. (November 2011, Photo by Klaus Stachuletz)

Neues Jahr, neue Band: Norberts aktuellstes Projekt ist die Zusammenarbeit mit dem Düsseldorfer Gitarristen und Sänger Andreas Martens. Wir bilden ein akustisches Bluesduo und nennen uns "49Blues". Warum? "Meine liebe kleine Fangemeinde, kommt uns doch bei einem unserer Auftritte besuchen, dann erzählen wir es Euch."


NL und Andreas Martens. 49Blues bei ihrem ersten Auftritt in der VHS in Essen.
(Dezember 2011)

"Andreas und ich kennen uns schon ein paar Jahre und haben den gleichen Musikgeschmack, was liegt da näher, als eine Band zu gründen. Mich reizt die hohe Verantwortung, die ich in einer Duobesetzung habe. Ich bin froh, dass Andreas gerade frei war, denn im Duo muss man sehr viel an den Stücken arbeiten, um gut eingespielt zu sein, und das macht uns beiden großen Spaß." Das Ergebnis ist sehr hörenswert! anhören

 
Eine persönliche Liebe der anderen Art gehört immer noch dem Saxophon.



„Wenn ich mal ein wenig Zeit übrig habe, und gerade keine Harp in der Hand, spiele ich gerne auf meinem Tenorsax. Das ist ein außerordentlich kraftvolles Instrument, und seine Modulationsfähigkeit kommt der menschlichen Stimme sehr nahe. Ich kann nur nicht so gut damit umgehen, deshalb setze ich es live nicht ein. Aber vielleicht kommt das ja noch mal.“  

Norbert Lohan, Tel.: 0173 – 2544416, Email: NorbertLohan@gmx.de

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